Galerie-Übersicht, 2017

Im scheinbaren Grau der Seitengassen. Farbiges Warten, Band 6,

Format 21 x 21 cm, 116 Seiten, mit Buchrücken, ISBN 978-3-9501252-7-6, EAN 9783950125276, erschienen im November 2017, mit 52 Bildern und den dazugehörenden autobiografischen Texten

6,1,Oel,Lw,19×60

70164, Wintersonne Südwest, Öl auf Leinwand, 19 x 60 cm, 2015. Im Warten auf den nächsten Schnee, freue ich mich jeden Morgen aufs Neue, wenn der Gehsteig freigeblieben ist. Zwar würde ich nur einige Minuten brauchen, den Schnee vom Gehsteig zu schaufeln und neuen Sand zu streuen, aber der Bereitschaftsdienst bringt doch meinen Tagesplan durcheinander, weil ich diese zusätzliche Arbeit mit meinem Hundeprogramm zu koordinieren habe. Sobald ich vor der Leinwand zu stehen komme, denke ich mir, da bin ich wieder.

6,2,Oel,Lw,40×80

70175, Wintersonne Nordostwind, Öl auf Leinwand, 40 x 80 cm, 2016. Wenn der Wind dreht, bin ich wieder auf der Lauer, ob Schnee kommt. Bei Wintersonne entfallen meine morgendlichen Gehsteigbeobachtungen. Bis zum darauffolgenden Winter male ich, von den Aufträgen abgesehen, immer wieder Bilder, die in einem Zusammenhang mit länger zurückliegenden Kurzreisen stehen. Die Fertigstellung mit dem Trocknen und sonstigen Überlagerungen durch Alltäglichkeiten passt zu meinem unberechenbaren Tagesablauf.

6,3,Oel,Lw,50×70

Zweite Hälfte eines Winternachmittags, Öl auf Leinwand, 50 x 70 cm, 2016. Berechenbar daran ist, dass der Schnee bei uns meistens in der Faschingszeit noch einmal einsetzt. Da fahren nach wie vor von Graz aus Busse nach Venedig. Ich war zum Glück schon einmal bei dem berühmten Karneval, sonst würde ich bis heute denken, ich hätte was versäumt. Das war ein Gehen in dichter Menge, und ich war immer nur auf den nächsten Schritt bedacht und habe den Boden und die Stufen kaum gesehen, immer nur den Rücken des Nächsten vor mir. Der Fußgängerverkehr war nach einem Einbahnsystem polizeilich geregelt, mit langen Stehpausen, wenn der Querverkehr zum Weitergehen an der Reihe war.

6,4,,Oel,Lw,,60×75

70134, Porta Venezia. Gelbe Gasse mit blauem Haus, Öl auf Leinwand, 60 x 80 cm. Meine Idee, die Stadt Adria anzuschauen, führte über den Umweg nach Chioggia, wo wir unsere Unterkunft hatten, in einer schmalen Seitengasse des langen Corso der zentralen Insel zwischen den Kanälen. Am Ende dieser Straße ist die Anlegestelle zur Fähre, die in regelmäßigen Abständen nach Venedig geht.

6,5,Oel,Lw,70×100

Chioggia, Corso del Popolo, Öl auf Leinwand, 70 x 100 cm, 2017. Der Gastgeber hatte uns am Nachmittag beim Dom abgeholt, wo die Fußgängerzone beginnt. Er war uns mit seinem Auto die erlaubte Strecke vorausgefahren. Nach dem Beziehen des Quartiers in der Calle Fidado spazierten wir den „Corso del Popolo“ entlang, um uns einen ersten Überblick zu verschaffen. Die Seite, die jetzt, von der Fährenanlegestelle aus gedacht, rechts von uns lag, war durchgehend mit Baustellennetzen verhängt. Die kleinen Geschäfte und Lokale dahinter, waren aber in Betrieb. Auf der linken Seite, in der Höhe des Doms ist die „Libreria Giunti al Punto“. Dort habe ich mir den Roman „Die Asche meiner Mutter“ von Frank McCourt  auf Italienisch („Le ceneri di Angela“) gekauft.

6,7,Oel,Lw,70×100

70140, Chioggia, Calle Fidado, Öl auf Leinwand, 70 x 100 cm. Unsere Wohnadresse in der „Calle Fidado“ hat die hohe Hausnummer 485, wobei es in der schmalen Straße mit Sicherheit keine fünfzig Häuser gibt. Die Appartements im Dachgeschoss sind soeben fertig saniert worden, alle anderen sind noch in Arbeit. Wir waren beim Buchen auf Baustellenlärm als Grund für den ermäßigten Preis hingewiesen worden.  Am ersten Tag stellte ich das Auto nach dem Auspacken in die Bahnhofstraße, die Verlängerung des Corso, durch die „Porta Venezia“ stadtauswärts, wo das Parken erlaubt war. Auf der Strecke zurück fanden wir einige Grünstreifen für Gina. Als Fußweg wirkte die Strecke weit, so dass sie mir mein betagter Hund in der Folge als bereits erledigten Spaziergang anrechnete und meine weiteren Aktionen des Tages von anstrengenden Aufmunterungsmanövern durchkreuzt waren. Ab dem zweiten Tag parkte ich das Auto einfach wieder in der Calle Fidado, stellte eigenhändig den „Parkschein“ aus, indem ich auf einen Zettel die Hausnummer des Quartiers schrieb und „Partenza“ mit dem Datum der Abreise.

6,7,IsolaVerde,1,Growing,Oel,Lw,38×55

70157, Isola Verde, Vorsaison, 1. Öl auf Leinwand, 38 x 55 cm, 2016. Auf der Suche nach ruhigen malerischen Plätzen, brauche ich mich hinterher ja nicht zu wundern, wenn dort nichts ist, außer Salatpflanzenplantagen im Einzugsgebiet. Es war die Woche vor der Osterwoche, und die kleine Insel war mit Tafeln markiert, die sich auf sommerliches Baden und Campieren beziehen. Dort gibt es viele Ferienbungalows, die voneinander abgezäunt sind und asphaltierte Gehwege dazwischen, die zum Sandstrand führen. Es waren mehrere arbeitende Männer dabei, mit einem Wasserschlauch eine Terrasse zu reinigen. Ich spazierte mit Gina durch eines der offenen Tore, fragte laut, ob wir da zum Strand gehen dürften, und sie winkten uns freundlich herein. Ich ließ Gina ins Wasser, und testete mit meinem rechten Fuß wie kalt es war, bevor ich ihn ganz schnell wieder zurückzog.

6,8,IsolaVerde,2,Oel,Lw,38×55

70150, Isola Verde, Vorsaison, 2, Öl auf Leinwand, 38 x 55 cm. Wir gingen wieder die Strecke zurück, die wir gekommen waren, nur war jetzt das Tor geschlossen. Richtig zugesperrt, und es war keiner von dem Arbeitstrupp mehr da. Die Bosheit war den Leuten gelungen. Es kann aber auch sein, dass es Gemeindearbeiter sind, die so genau wie bei uns zuhause ihre Mittagspause einhalten. Das Tor war ungefähr 1,80 Meter hoch, der Zaun um einige Zentimeter niedriger. Mit Gina Hinüberheben war da nichts zu machen. Ich schaute, ob der Zaun unten an einer Stelle auszuhängen wäre, aber das funktionierte nicht. Im langen Schauen, fand ich das Ende eines Drahts, das mir als Anfang diente, ein Loch auszufädeln. Nach dem Durchschlüpfen bog ich den Draht etwas zurecht, bevor wir wieder auf der Straße zwischen den Radicchio- Pflanzen die Isola Verde verließen.

6,9,Oel,Lw,45×80

70204, Chioggio, Calle Fidado, Querbalken, Öl auf Leinwand, 45 x 80 cm. Unsere Gasse zeichnet sich auch durch die Pflastersteine aus, die so richtig schön buckelig sind, und am Einstieg in die Gasse gibt es einen niedrigen Querbalken, unter dem sich Menschen, die größer sind als ich bücken müssen. Mit einem Baguette in einem Rucksack käme ich schon nicht aufrecht durch. Das zweite Hindernis sind die Stufenhöhen vom ersten Stock zum Dachausbau, in dem wir wohnen. Die schaffte Gina nicht, und ich musste sie jedesmal das eine Stockwerk tragen. Diesen Umstand kalkulierte ich bei meinen Einkäufen in der Folge mit ein.

6,10,Oel,Lw,60×80

70162, Segelstangen, Öl auf Leinwand 60 x 80 cm, 2016. Auf meinem Erkundungsgang am Morgen nach der Ankunft  war ich mit Gina von unserer Haustür aus ein paar Meter nach links gegangen und staunte, wie nah wir am Meer waren. Gleich am Rand der nächsten Querstraße war schon das Wasser, mit vielen angelegten kleinen bunten Booten.  Ich stellte mir vor, wie es hier im Sommer mit den Masten vieler Segelboote aussehen könnte. Die „Meeresstraße“, neben der ich stand und schaute, war einspurig für Autos befahrbar, und es war viel los. Im Weitergehen auf dem auffallend schmalen Gehsteig kamen wir nach einer langgezogenen Kurve wieder zur Fährenanlegestelle.

6,11,Adria,AimlessLane,1,Oel,Lw,40×58

70144, Adria, Ziellose Gasse, 1, Öl auf Leinwand, 40 x 58 cm, 2016. Bei meinem Ankommen in der Stadt Adria nahm ich den ersten freien Parkplatz in Richtung Zentrum. Von dort spazierten wir den Corso entlang, und kehrten ins erste Café mit Tischen im Freien ein. Im Weitergehen sah ich die Tafel, „Città di Adria“, die am Anfang der Fußgänger- und Radfahrzone aufgestellt war.

6,12,Adria,ZielloseGasse,2,Oel,Lw,40×58

70143, Adria, Ziellose Gasse, 2, Öl auf Leinwand, 40 x 58 cm, 2016. In der Höhe der Tafel bog ich in die nächste Seitengasse, an deren Ende ich zu einer breiteren, belebten Straße kam, mit einigen kleinen Geschäften und einem Postamt, und ein paar Schritte weiter gab ein riesiges Bankgebäude. Die Fassaden dort waren in einheitlichem Ocker mit rotbraunen Balken, also wieder so, wie sie sich, sobald ich von dort weg bin, in meinem Gedächtnis in bunte Farben verwandeln.

6,13,Oel,Lw,60×80

70156, Po, Flusslandschaft im Mündungsgebiet, Blaue Landschaft mit gelbem Feld, Öl auf Leinwand, 60 x 80 cm, 2015. Von der Stadt Adria aus fuhren wir die Strecke Richtung Flussmündung, durch den Regionalpark des Po- Delta. Ich hatte die Vorstellung, dort irgendwo sehen zu können, wie das Wasser des Po ins Meer fließt, oder zumindest irgendwo einen Blick auf das Wasser des Flusses zu erhaschen, was wegen der hohen Aufschüttungen am Flussufer  von der Straße aus nicht möglich ist. Einen Fußweg in diese Landschaft hinein gab es nicht.

6,14,Oel,Lw,70×70

70153, Pila, Öl auf Leinwand, 70 x 70 cm, 2016. Aus der gewünschten Kaffeepause im nächstbesten Dorf wurde nichts, weil das einzige Lokal, das wir in Pila sahen, geschlossen hatte. Es waren nirgends  Menschen zu sehen. Im Weiterfahren kamen wir zu einer Firma, die in einem blauen Container untergebracht war, mit einem großen besetzten Parkplatz rundherum, ohne einen einzigen Freiraum, nur hin und herfahrende LKWs auf zwei sich kreuzenden Schotterstraßen.

6,15,Oel,Lw,70×70

70152, Pila, Verdeckter Blick zum Wasser. Öl auf Leinwand, 70 x 70 cm, 2016. Ich bekam keine rechte Gelegenheit, dort anzuhalten, weil die Fahrer der Lastwägen abwechselnd hupend oder blinkend auf mich zufuhren und mir „via via“ deuteten, sobald ich es versuchte. Susanne war mit ihrer Kamera ausgestiegen, um zu Fuß die Höhe der Anschüttung zu erreichen, für ein Foto vom Wasserspiegel des Po. Ich musste inzwischen stückchenweise weiterfahrend auf der schmalen Schotterstraße verbringen. Sie blieb lange aus, auch auf ein Foto musste ich warten, weil ihr Akku gerade leer geworden war. Jetzt drehten wir  um und fuhren in den besiedelten Teil von Pila zurück, wo auf den Straßen wieder niemand zu sehen war.

6,16,Pila,Bluetenstangel,Öl,Holz,40×50

70158, Pila, Blau Grüne Landschaft mit Blütenstielen vor dem Horizont, Öl auf Holz, 40 x 50 cm, 2016. Unter den üppigen Pflanzen in der Uferlandschaft ragten an vielen Stellen einstielig hochschießende Graspflanzen heraus, deren oberstes Drittel grauviolette Blüten trugen.

6,17,Oel,Lw,70×70

70155, Wiese bei klarem Morgenlicht, Öl auf Leinwand, 70 x 70 cm, 2017. Zwischen den großen Feldern waren schmale Gräben zur Bewässerung gezogen. Die einzelnen Höfe waren viele Kilometer voneinander entfernt, und um eine der Höfe standen viele rostige landwirtschaftliche Geräte herum, auch der Traktor war rostig. Vor dem Wohnhaus gab es die gleichen hohen Gräser, die über die ganze Fensterhöhe hinaufragten.

6,18,Oel,Lw,70×70

70154, Wiese im Licht des Nachmittags. Öl auf Leinwand, 70 x 70 cm, 2017. Für die Menschen hier, dachte ich, ist das wahrscheinlich nichts weiter als irgendeine saure Wiese. Für mich sieht es aus wie ein botanischer Garten, mit lauter mir fremden prächtigen Pflanzen.

6,19,Oel,Lw,48×86

70137, Adria, Sonne im Rücken, Öl auf Leinwand, 48 x 86 cm, 2016. Auf der Rückfahrt waren wir wieder in der Stadt Adria. Ich schaute mir den Dom an, der einen sehr großen Vorplatz hat, und innen ganz dunkel ist. In der Nähe gibt es einen kleinen Park mit einem Brunnen, um den Bänke aufgestellt sind. Im Sitzen mit Blick auf die Geschäfte setzte wieder der Hunger ein. Die Bäckerei gegenüber hatte verlockendes österliches Gebäck. Ich kaufte mir einen großen Pan d’Oro, von dem ich, zuerst ein kleines Stück kostete und noch eines, bis es weg war. Ich sah, wie die Bäckerin gerade anfing, die Rollläden herunterzulassen, sprang auf und erreichte sie noch rechtzeitig, mir einen Nachschub zu kaufen.

6,20,Oel,Lw,50×70

70189, Chioggia, Sonnenschirme, Öl auf Leinwand, 50 x 70 cm, 2015. Die Sonnenschirme auf dem Strand von Chioggia sind rein fiktiv. Da waren wir am vierten Tag unseres Aufenthalts auf einem anderen Inselabschnitt, der östlich vom zentralen Kanal Vena liegt. An dem Tag war plötzlich Badewetter, und ich musste für Gina mit meiner Jacke einen Sonnenschutz bauen. Einige der Strandbars hatten schon sommerlichen Betrieb und extralaute Musik.

6,21,Oel,Lw,60×80

70135, Chioggia, Calle San Domenico, Öl auf Leinwand, 60 x 80 cm, 2016. Einmal spazierten wir über die stufige Brücke Ponte Vigo in die Calle San Domenico, wo wir zuerst die Kirche umrundeten, bevor wir in den Kai einbogen. Von dort ist der Ausblick auf das Wasser des Kanals mit vielen kleinen Booten und einzelnen Gondeln und auf die gebogenen Treppenbrücken ganz ähnlich wie an vielen Stellen in Venedig.

6,22,Oel,Lw,22×80

70163, Chioggia, Calle San Domenico, links, Öl auf Leinwand, 22 x 80 cm, 2016. Nur auf einer Seite des Kanals ist ein Gehsteig, auf der gegenüberliegenden Seite sind die Häuser direkt am Wasser. Entlang des Kai gibt es kleine alte Geschäfte. Eines davon führte verschiedene Haushaltsartikel, Fischerei- Zubehör und undefinierbaren Krimskrams. Dort fragte ich, ob sie zufällig Rollen für den Korbeinsatz eines Geschirrspülers hätten. Das nicht, aber der Verkäufer konnte mir genau sagen, wo ich in Chioggia so etwas bekäme, und er blätterte auf seinem Notebook mit Google Earth den Standort des für mich passenden Geschäftes auf und zeigte mir, wie die Fassade aussah und schrieb mir die Adresse auf einen kleinen Zettel.

6,23,Oel,Karton,Holz,43×53

70159, Quergasse in Blau und Grün, 2, Öl auf Karton und Holz, 42 x 52 cm, 2016. Wegen des geplanten Tagesausfluges nach Venedig war ich in Sorge. Die Tierärztin hatte vor dem Wegfahren gemeint, Ginas Humpeln käme von der Abnützung ihrer Wirbelsäule und werde sich wohl nicht mehr bessern. Ich entschied, trotzdem zu fahren und nach dem Parken des Autos den Fußweg von der Piazzale Roma Richtung Zentrum zu gehen, soweit wir eben kommen und notfalls gleich vor oder nach der ersten Treppe in irgendein Café einzukehren, dort zu sitzen und zu schauen, bis die Langeweile mich vertreibt. Ich muss ja nicht jedesmal zum Markusplatz gehen.

6,24, Oel,Lw,50×70

Venedig, Rialto, Öl auf Leinwand, 50 x 70 cm, 2017. Zum x-ten Mal male ich die Rialtobrücke, und eigentlich sehr gerne. Ich habe sie zum ersten Mal vor mehr als dreißig Jahren für eine Arbeitskollegin auf Bestellung angefertigt, und im Laufe der Zeit oft und oft, sodass ich sagen kann, ohne hin und wieder die Rialtobrücke zu malen, könnte ich ja gar nicht existieren. Dennoch durchbrechen die „Hauptplätze“ vorübergehend meine Nischen, in denen ich mich wohler fühle.

6,25,Oel,Karton,30×40

70148, Treppenmalerei, drei  Stiegen, Öl auf Karton, 30 x 40 cm, 2016. Da bin ich wieder. Nach der Rückkehr, führe ich, nach den Landschaftsdurchgängen, meine früheren Treppenmalereien wieder weiter, während ich an die Stufen und Treppenbrücken dachte, die wir in den wenigen Tagen zurückgelegt hatten. Ich hatte an dem Tag in Venedig wirklich die Stufen auf unserem Weg gezählt, die Zahl am selben Abend, da ich sie notieren wollte, aber wieder vergessen.

6,26,Oel,Karton,30×40

70146, Treppenmalerei, Zwei Stiegen, Öl auf Karton, 30 x 40 cm, 2016. Dass die alten Stufen in Venedig so niedrig sind, hatte sich in Wirklichkeit als besonders günstig erwiesen. Das stundenlange Gehen hatte Gina nicht nur nichts ausgemacht, das treppauf treppab hatte eindeutig ihren Rückenwirbel wieder eingerenkt, und sie ging in der Folge wieder ganz normal.

6,27,30×40

70149, Treppenmalerei, sieben Türen, zwei Stufen, Öl auf Karton, 30 x 40 cm, 2016.  Sobald es mir gelingt, ein Ziel nicht erzwingen zu wollen, komme ich mit meinem Hund gut voran.  Plötzlich waren wir auch schon vor dem Gebäude am Dorsoduro mit der Sammlung Guggenheim, wenn auch nur, um auf der Eingangstür mit der Nummer 701 bis 704 das Schild zu lesen, dass sie an Dienstagen geschlossen haben. Von außen durch das Glas hatte ich immerhin einen Blick auf den Raum im Eingangsbereich und einen Gesamteindruck von dem Haus, das kein alter Palazzo ist, sondern aussieht wie zwei gerade abschließende, oben verbundene Schachteln.

6,28,Oel,Lw,70×90

70166, Überwiegend weiße Stadt, 4, Nachbild Museumsbesuch, Öl auf Leinwand, 80 x 100 cm, 2016. Auf unserem Weg lag die „Accademia di Belle Arti di Venezia“, und dort ging ich hinein, obwohl ich in Wirklichkeit nicht auf Alte Meister eingestellt war, sodass ich mich nach der Besichtigung der überdimensionalen Werke mit dem vielen Rot und Schwarz auf den realistischen Portraits ganz müde fühlte. Auf einem Platz, über der nächsten Brücke, gab es einen Brunnen mit Trinkwasser neben einer Bank, für eine Pause. Viel später malte ich genau von dieser Situation als Gegenpol zu allem Überladenen, mein lichtdurchflutetes Nachbild der Fassaden.

6,29,Oel,Karton,Holz,52×62

70161, Chioggia, Bar Generale, Öl auf Karton und Holz, 52 x 62 cm, 2016. Wieder  zurück, in unserem Quartier in Chioggia,  sind wir am Abend vor der Abreise in die „Bar Generale“ eingekehrt, wieder auf dem Corso del Popolo. Trotz des kalten Windes, blieben wir im Freien, und ich schaute auf die Lichter, die von der nächstgelegen Insel leuchteten, vom Meeresspiegel verdoppelt.

6,30, Oel,Lw,70×100

Borgo San Giovanni. Öl auf Leinwand, 70 x 100 cm. Vor dem Wegfahren nahm ich das Adresszettelchen zur Hand, der „Bòrgo San Giovanni, 626“ lag an unserer Ausfahrtsstraße, aber auf dem Plan von Chioggia bezeichnet Borgo die ganze Insel mit dem Badestrand. In dem Geschäft mit der Hausnummer 626 gab es wirklich allen Küchengerätezubehör, den man sich nur denken kann. Ich bekam dort auch meine passenden Geschirrkorbrollen, und denke seither bei jeder Verwendung meines Geschirrspülers an die geistig vernetzen Geschäfte in Chioggia.

6,31,Oel,Karton,Holz,42×52

70173, Stillleben, petrolblau, Öl auf Karton und Holz, 42 x 52 cm. Wieder zurück, denke ich an meine Haushaltsarbeiten, auch während ich male. Oft richte ich mich mit der Zeit, die ich für einen weiteren Durchgang an meinem Bild verwende, nach der Programmierung der Küchengeräte. Während des Waschdurchgangs der 60 Grad Wäsche, schaffe ich eine Schicht an einem mittelgroßen Stillleben. Die ganze Fertigstellung schaffe ich an drei aufeinanderfolgenden Tagen, zeitgleich mit drei Waschdurchgängen.

6,32,Oel,Lw,50×70

70201, Stillleben auf Blau. Öl auf Leinwand, 50 x 70 cm, 2016. Um mich von meinen Gedanken an die Haushaltsarbeiten zu entfernen, aber nicht allzuweit, malte ich einfache blaue Gefäße mit weißen Konturen. Was ich mache, wenn mir gerade nichts zu malen einfällt, fragte mich eine meiner früheren Sammlerinnen. Dann male ich einfach das Gleiche wie bisher oder das Gegenteil davon.

6,33,Oel,Lw,50×60

70171, Innenraum mit Lampenschirmen, Öl auf Leinwand, 50 x 60 cm, 2013. Von jedem Strich auf jedem Bild ließe sich ja immer auch ein Gegenteil bilden. Auf das Nebeneinander der Ergebnisse bezogen, kann ich es auch als Gegenteil betrachten, wenn ich nach einem blautönigen Bild eines in gelben Farbtönen male, etwa meine Lampenschirme, versammelt in einem Raum, wie bei der vorigen Übersiedlung, bevor ich sie wieder montieren ließ.

6,34,Oel,Holz,25×36

70206, Stadt, Gasse, Treppen, blau, grün, Öl auf Holz, 25 x 36 cm, 2016. Auf einer kleinen Holzplatte, führe ich ein kleines starkes Treppenbild aus, um den Launen der Außenwelt standzuhalten, bevor ich darangehe, meine anstehenden Aufträge auszuführen.

6,35,Oel,Lw,Holz,22×30

Nachbild Leonhardkirche, Öl auf Leinwand und Holzplatte, 22 x 30 cm, 2016. Diesmal ist es die Grazer Leonhardkirche, die in der dicht befahrenen Straßenkurve  zum Landeskrankenhaus liegt, und die ich für mich selbst eher nicht gemalt hätte. Ich führte mehrere Versionen aus, bevor ich mich von der ersten, zu realistischen, entfernte und auf dem vierten Bild nur noch einige Details davon zitierte.

6,36,Oel,Karton,Holz,44×54

70172, Weiterführung einer Gasse in Graz. Öl auf Karton und Holz, 44 x 54 cm, 2016. In Graz ist immer Arbeit, und ich kann auch kaum an etwas anderes denken als an meine Arbeit.  Meine Vorgängerbilder mit  Plätzen von der Grazer Innenstadt zeichnen sich durch die einigermaßen genaue Ausführung der Details von den Fassaden aus, während ich bei diesem Bild nach anfänglich genauem Pinseln der Fensterrahmen bald zum schwungvollen Farbauftrag mit der Spachtel überging. Nur an den Kanten des Bildrahmens, oben und seitlich sind die genauen Fensterrahmen sichtbar.

6,37,Oel,Lw,60×75

70182, Hügellandschaft, Öl auf Leinwand, 60 x 75 cm, 2015. Zu meinen eigenen Auswahlkriterien, was ich als nächstes male, nach den Grundsätzen Möglichst- Ähnlich oder Möglichst- Anders kommen ja auch noch die Wünsche der Leute, was sie gerne als gemaltes Bild hätten. Im Vorspann zu dem Auftrag, die südsteirischen Hügel, in meiner abstrahierenden Umsetzung  in einem großen Format zu malen, entstand mein Querschnitt einer buckeligen Landschaft.

6,38,Oel,Lw,61×70

70188, Ponte Solferino in Pisa, Öl auf Leinwand, 61 x 70, 2015 und 2016. Ich nehme meinen eigenen Faden wieder auf und bin eigentlich noch dabei, meine Bilder von den Kurzreisen im Jahr 2014 auszuführen. Mein Gedanke passte auch mit der handwerklichen Notwendigkeit zusammen, meine Bilder, die ich auf zu dünnem Stoff gemalt hatte, wieder abzuspannen und mit einer stärkeren Leinwand zu unterlegen.

6,39,Oel,Lw,80×80

70168, Urbane Märchen, Öl auf Leinwand, 80 x 80 cm, 2016. Nachdem ich mein drittes Bild umgespannt hatte, so dass ich endlich daran weitermalen konnte, kam ein überraschender Besuch von einem Freund, der ausführliche Reiseberichte auf Lager hatte, die mich so kribbelig machten, dass ich einfach zu malen begann und im Zuhören nebenbei auf Zusammenhänge und Pointen hoffte.

6,40,Oel,Lw,60×80

70176, Stadtpark, Öl auf Leinwand, 60 x 80 cm, 2016. Wenn ich will, dass der Tag möglichst geradlinig abläuft, gehe ich morgens eine Runde durch den Stadtpark, und im Zuge der häufigen Wiederholungen stellen sich irgendwann von selber die oft gesehenen Baumstämme auf meinem Bild ein.

6,41,Oel,Lw,33×42

70198, Pappelallee, Öl auf Leinwand, 33 x 42 cm, 2016: Ich male endlich auch ein Baumstammbild, das ich Ahornallee genannt hatte, damit es in meinem alphabetisch gereihten Foto- Ordner nach vorne gereiht wird, obwohl ich als reale Vorlage einfach an die Stämme der Kastanien im Grazer Stadtpark gedacht hatte.

6,42,Oel,Lw,50×70

70177, Schafherde, Öl auf Leinwand, 55 x 68 cm, 2016. Für einen meiner Sammler, der schon alle Bildtypen von mir hat, ausgewählt nach dem Prinzip des Möglichst- Anders, denke ich mir wieder etwas aus, was ihm noch fehlen könnte,  und diesmal wird es eine Schafherde. Auf dem Bild, das bald ihm gehörte, waren zwanzig Schafe, wobei ihm eines mit weniger Schafen lieber gewesen wäre. Ich hatte ja nicht wissen können, dass er selber eine echte Schafherde hat, die sich stark vermehrt, und er findet seine eigene Herde schon zu groß. Wieder in meinem Atelier, malte ich eine weitere Schafherde mit nur sieben Schafen, die ich ihm beim nächsten Treffen vielleicht als Umtausch vorschlagen werde.

6,43,Oel,Lw,60×80

70186, Sonntagsbild, In my Sunday’s Best, Öl auf Leinwand, 60 x 80 cm, 2016. Um Anlauf für den nächsten Auftrag zu nehmen, ein Bild, auf dem möglichst viele Menschen sein sollen, male ich erst einmal eines mit einem einzelnen Gesicht.

6,44,Oel,Holz,40×50

70202, Unobstrusive, Unaufdringliches Portrait, Öl auf Holz, 40 x 50 cm, 2016. Im Nachdenken, wie und ob ich die Gesichter meiner Menschenmenge ausführen würde, übermale ich  ein davor deutlich ausgeführtes Gesicht mit Weiß und lasse die ursprünglichen Gesichtszüge durchschimmern.

6,45,Oel,Karton,Holz,18×45

Im Gespräch. Talking, Öl auf Karton und Holz, 18 x 38 cm. In der Phase meiner Überlegungen, wie ich die frohe Menschenmenge auf meinem Bild gut positionieren würde, war ich für einige Tage in Triest, wo ich auf der Suche nach unserer „Via dell’Istria“, wegen der Einbahnen und der Hügelkuppen die Orientierung verlor. Ich hielt für die Wegauskunft in einer kleinen „Talsenke“ vor der nächsten Kurve, wo eine Gruppe junger Leute zusammenstand, wie zur Besprechung eines bevorstehenden Abendausgangs. Einer von ihnen war, an sein Fahrzeug gelehnt, dabeigestanden. Dass er auf meine Frage uns spontan mit seinem Motorino die ganze Wegstrecke vorausgefahren war, kam mir vor, als hätte er sich aus einem Bild bewegt. Von der Bild-Szene ausgehend malte ich später auf einem dunklen Hintergrund mit bunten Pinselstrichen die Umrisse der Gestalten.

6,46,Oe,Lw,60×80

70136, Triest, Residenza San Giusto, Öl auf Leinwand, 60 x 80 cm, 2016. Unser Quartier  befindet sich in einer schmalen ruhigen Seitengasse von der Via dell‘Istria, in einem modern sanierten Altbau. Zur Erholung von der steilen Abwärtsfahrt in die Garage, die ich unmittelbar davor hinter mich gebracht hatte, fiel durch Fensteröffnungen zwischen den Stockwerken Tageslicht in die Liftkabine, und durch eine gläserne Rückwand schaute man auf alte dicke Sandsteinblöcke.

6,47,Oel,Lw,60×80

70141, Triest, Castello San Giusto, Öl auf Leinwand, 60 x 80 cm, 2016. Wir wohnen auf einem der Hügel der Stadt, wo in der Geraden die Burg San Giusto mit der gleichnamigen Kirche ist. Am frühen Nachmittag machten wir uns auf den Weg und spazierten unsere Straße auf der Hügelkuppe entlang, die recht eben dahin geht, bis zum steilen Anstieg zu San Giusto. Erst während der Besichtigung fiel mir ein, dass ich vor langer Zeit schon einmal da war. Mit meinem Gedächtnis verhält es sich so, dass sich Erinnerungen an Plätze mitverflüchtigen, wenn die Verbindung zu einem Reisebegleiter ganz abgebrochen ist. Der Fußweg den steilen Berg hinunter führt bis zum Corso d’Italia, wo wir später in unseren Bus Nummer 10 einsteigen können.  Die Cafés in der Nähe hatten Tische im Freien. Erst dort fiel mir auf, dass außer mir niemand kurzärmelig war, und mir wurde plötzlich kalt.

6,48,Oel,Lw,auf_Holzplatte,15×71

70165, Triest, Corso d’Italia, Öl auf Leinwand und Holzplatte, 15 x 71 cm. Während ich Gina den Beißkorb für die Busfahrt anlegte, wusste ich nicht, dass wir nach einer Station schon wieder aussteigen würden. Ich könnte meinen Auftrag mit der bunten Menschenmenge ja auch vom H&M in Triest an diesem Samstagnachmittag malen, denke ich mir und kaufe mir bei der Gelegenheit ein wärmeres Kleidungsstück.

6,49,Oe,Lw,100×100

70203, Samstagnachmittag auf der Wiese, Öl auf Leinwand, 100 x 100 cm, 2017. Wieder zurück in meinem Atelier, entscheide ich, dass die „mindestens hundert Menschen“ als eine frohe, sommerlich gekleidete Menge auf einer Wiese zusammentrifft,  um sich ein privates Sommerkonzert anzuhören. Inzwischen habe ich als Nebenbeschäftigung über mehrere Monate 160 handelnde Personen auf meiner Wiese.

6,50,Oel,Lw,80×80

70199, Weiterführung einer Fassade mit Eingängen, Öl auf Leinwand, 80 x 80 cm, 2016. Parallel zu der speziellen Auftragsarbeit, male ich zur Erholung an meinem Bild, das keinen bestimmten Zweck erfüllen muss. Hinterher passt es zufällig in meine Bilderserie Farbiges Warten, mit dem Gedanken, wenn ich im langen Schauen auf die gleiche Fassade Strukturen darauf entdecke und nach Maueröffnungen Ausschau halte.

Stadtparksommer, Öl auf Leinwand, 80 x 100 cm, 2017: Um mich wiederum vom Blick auf Fassaden zu befreien, entwickle ich schließlich meine Sicht auf die Baumstämme weiter, analog zu der Anzahl der Besichtigungen, die ich seit meinem vorhergehenden Bild vom Stadtpark eingelegt habe, und ich stelle sie mir jetzt einmal sonnendurchleuchtet vor.

6,52,Oel,Lw,50×70

70185, Spielraum, Öl auf Leinwand, 50 x 70 cm, 2015. Als Portrait eines Tages, an dem die Leute, mit denen ich redete, nur ausweichende unklare Botschaften von sich gaben, so unentschlossen wie das Wetter an diesem Tag, male ich mir ein sinnvolles Ergebnis.