
Im Aufspüren kleiner Glücksfälle
8,01, Im Beginnen, Öl auf Leinwand, 32 x 32 cm. Das Bild habe ich noch in der vorigen Wohnung gemalt, in der Phase des Aussortierens und Umstellens, aber genaugenommen bin ich ja immer im Aussortieren und Umstellen, damit ich wieder neu auf zurückliegende Ereignisse schauen kann. Die chronologische Zuordnung eines bestimmten Bildes, das ich vor längerer Zeit gemalt habe, fällt mir leichter, wenn ich an den Raum denken, in dem ich es gemalt habe.

8,02, Garderobe, Öl auf Leinwand, 40 x 50 cm. Im Auftrag der Sammlerin, die das Bild mit einer Garderobe 1995 von mir erworben hatte, restaurierte ich die Ränder und den Rahmen. Parallel dazu habe ich jetzt, also dreißig Jahre später, eine neue Version davon gemalt und meiner Sammlerin angeboten, ihr altes Bild gegen das neue umzutauschen. Sie wollte aber lieber wieder ihr eigenes erstes Bild zurück. Auf dem neuen Bild habe ich die konkreten Konturen des Kleiderständers und der anderen Gegenstände mit der Spachtel aufgelöst.

8,03, Corridonia und Umgebung, Öl auf Leinwand, 95 x 95 cm. Während des Malens an diesem Bild war ich beim Tagebücher Entrümpeln gerade im Jahr 1988 angekommen. Meine Schlafstelle für die Ferialarbeit in einer Strandbar in Alba Adriatica war in einem Container, zusammen mit vier anderen jungen Frauen. Bevor ich meinen ersten Dienst antreten durfte, musste ich aber eine Arbeitserlaubnis vorweisen. Für so eine einfache Arbeit, um die sich ja nicht gerade alle reißen, müsste das wohl leicht sein, dachte ich. Bei meinem ersten Amtsbesuch in Alba Adriatica habe ich die Formulare bekommen, die ich mithilfe meiner Kolleginnen ausgefüllt habe, und der Geschäftsführer der Strandbar hat mein Formular bestätigt. Beim zweiten Amtsbesuch wurde ich nach Corridonia weitergeschickt, wo mir auch keine Arbeitserlaubnis ausgestellt wurde. Stattdessen hätten sie mich wieder woanders hingeschickt, vielleicht nach Ancona, weiß ich jetzt nicht mehr, weil ich es verdrängt habe. Ich bin also wieder mit meinem Gepäck für zwei Monate nach vier Tagen wieder nach Österreich gefahren. In der Folge hatte ich den Ort aus meinem Gedächtnis verdrängt, und jetzt, Jahrzehnte später habe ich dann doch ein Bild darüber gemalt.

8,04, Florenz, Via del Porcellana, Serie, Öl auf Leinwand, 60 x 80 cm. Wieder zurück in meinem gegenwärtigen Malen, male ich drei Bilder hintereinander in Orangetönen, als Auftrag wie ich sie für mich malen würde, und hinterher dieses für mein Repertoire, und ich denke dabei wieder an die Via del Porcellana in Florenz. Im Malen denke ich bei jedem Spachtelstrich an die Gebäude in dieser Gasse. Die ganze Lockdown-Zeit hindurch hatten die Organisatoren unbeirrt mehrmals im Jahr ihre Veranstaltungen weiter betrieben, und ich bin jeder ihrer Einladungen mit meiner Teilnahme gefolgt. Das finde ich sehr motivierend für mein Malen.

8,05, Via del Ponte alle Mosse, Florenz, Öl auf Leinwand, 60 x 70 cm. Für eine der zurückliegenden Teilnahmen, habe ich mich wieder mit den Wegstrecken samt den ungeplanten Umwegen befasst, und ich dachte an eine der Straßen im Umraum des Bahnhofs „Santa Maria Novela“. Die Via del Ponte alle Mosse ist in Wirklichkeit Grau in Grau und hat nichts Leuchtendes oder Malerisches an sich.

8,06, Fassade im Quadrat, Öl auf Leinwand, 100 x 100 cm. Ich überquere im Geiste die „Piazza Santa Maria Novela“, um von der gegenüberliegenden Seite auf die weiß-grüne Fassade der Santa Maria Novela zu schauen. Mein Bild darüber ist das emotionale Ergebnis aus diesem Eindruck.

8,07, Stadt und Fluss, Via della Scala, Öl auf Leinwand, 50 x 60 cm. An einem Gebäude in der Via della Scala ist eine Markierung, die über meiner Augenhöhe liegt, mit einer Tafel, dass im November 1966 das Wasser vom Fluss Arno bis zu dieser hohen Stelle gereicht hatte.

8,08, Via de‘ Fossi, Orange, Öl auf Leinwand, 50 x 60 cm. Im Weitergehen komme ich in die Via de‘ Fossi mit dem markanten Arkaden-Gebäude, der Palazzo Fossombroni, nehme ich an. In der Apotheke dort habe ich gefragt, ob ich bei ihnen Daosin bekomme, was aber nicht der Fall war.

8,09, Piazza Goldoni, Florenz, Öl auf Leinwand, 60 x 70 cm. Am anderen Ende der Via del Porcellana kommt man zur Piazza Goldoni, ein Platz ganz nahe am Lungarno Vespucci. Irgendwann in einem November und bei sehr trübem Wetter war ich dort. Es war um Allerheiligen, und in der Nähe befindet sich auch die „Piazza dei Ognissanti“, was auf Deutsch Allerheiligenplatz heißt, und mein erstes Bild davon war in entsprechend gedämpften Farbtönen. Als Kontrast dazu, habe ich jetzt ein sommerlich leuchtendes Bild von der „Piazza Goldoni“ gemalt.

8,10, Marmeladegläser, März, Öl auf Leinwand, 24 x32 cm. Abgesehen davon, dass ich eine Ansammlung leerer Gläser mit Schraubendeckel malerisch finde, verwende ich sie als Behälter für Pinsel und jeweils eines für das Seifenwasser, in das ich die Pinsel mit eingetrockneten Farbresten einlege, bis sie wieder gut zu reinigen sind. Manche davon werden wieder wie neu. Auch meine Bleistifte, Farbstifte und Kugelschreiber stelle ich in leere Marmeladengläser. Das könnte jeder so machen, denke ich, wenn wir schon beim Sparen sind, aber in den Büros, die ich bis jetzt gesehen habe, waren keine Marmeladegläser auf den Schreibtischen.

8,11, Gasse im Mittagslicht. Öl auf Leinwand, 38 x 48 cm. Ruud, der aus Amsterdam ist, und den ich seit mehr als zwei Jahrzehnten von gemeinsamen Arbeitsprojekten kenne, hat mir eine Reihe von Tipps für Plätze und Aktivitäten mit auf den Weg gegeben, aber das waren so viele, die meisten werde ich bei meinem ersten Amsterdam- Besuch noch weglassen. Ich will mich dort nur einmal ein bisschen umsehen.

8,12, Fassade mit einigen Stufen, Öl auf Leinwand, 38 x 64 cm. Im Vorfeld zu meiner ersten Reise nach Amsterdam im Juni 2022, habe ich eine weitere Gasse gemalt. Die Reise hatte ich zusammen mit Gerda geplant, die ich aus meiner Nachbarschaft kenne. Ich blätterte an jedem Abend in verschiedenen Reiseführern. Im Näherrücken des Abreisetermins kürzte ich meine „Duolingo“ Sprachübungen ab, indem ich Satz für Satz mitschrieb, um für die Tests nur abzuschreiben.

8,13, Café am Flughafen Schiphol. Lichtverhältnisse, Öl auf Leinwand, 60 x 72 cm. Nach dem erfolgreichen Durchqueren all der weitläufigen Hallen des Flughafens hatten wir uns schon die erste Kaffeepause verdient. Das nächste Café im Freien war nur wenige Meter vom Ausgang entfernt, und der Kaffee war bestens, wie auch in der Folge jeder Kaffee überall und an allen Tagen in Amsterdam. Danach kam das lange vergebliche Anstellen an einem Taxistand, sodass wir auf die Variante mit dem Bus zurückkamen, die wir uns zuerst wegen der enormen Auswahl an Bussen, an sehr weit auseinanderliegenden Einstiegsstellen, nicht zugetraut hatten.

8,14, Weite Ebene, Öl auf Leinwand, 60 x 70 cm. Auf der langen Busfahrt vom Flughafen Schiphol Richtung Stadtzentrum, kam es mir mit der Zeit vor, die zwanzig Kilometer Entfernung, durch so viel weite unbesiedelte Landschaft entlang der ganzen Strecke, müssten wir längst überschritten haben, und bestimmt wären wir in einem falschen Bus. Irgendwo stiegen wir wieder aus, um uns mit Plan und Wegweisern neu zu orientieren. Auf dem Plan kam keiner der hier zu lesenden Namen vor. Nach der Beratung bei einer Blockumrundung sind wir an derselben Haltestelle wieder in den nächsten 397-er Bus eingestiegen, und zahlreichen Stationen später wurden die ersten dichter stehenden Gebäude sichtbar, und bald auch schon Straßenbahnen.

8,15, Im Näherkommen, Umgebung Vondelstraat, Öl auf Leinwand, 50 x 70 cm. Unsere Ausstiegsstelle war eine Station vor dem Rijksmuseum, auf dem „Max Euwe Plein“. Nach der Pause vor einem Café setzten wir unsere Suche fort. Die Radfahrer haben für ihre Fahrspur eine eigene Ampelphase und klingeln wie wild, wenn man ansetzt, bei Rot für Fußgänger bis zur Ampel für Autofahrer nach vorne zu gehen.

8,16, Amsterdam, Ankommen in der Vondelstraat, Öl auf Leinwand, 50 x 70 cm. Unsere Unterkunft hatten wir in der Vondelstraat, eine der Straßen um den Vondelpark. Vor dem Eingang unseres Hotels „Prinsen“ gab es, wie vor den meisten Häusern der Stadt, eine steile hohe Treppe, über die man zur Rezeption kommt. Nachdem wir unser Zimmer im ersten Stock bezogen hatten, erkundete ich das Treppenhaus. und diese Treppe, mit winzigen Stufen und einer Windung, war fast so steil wie eine Leiter. Auf der Rückseite des Hauses führte eine ebenso steile Treppe in den Garten, den wir als Hotelgäste benützen durften.

8,17, Umgebung Vondelpark, Öl auf Leinwand, 40 x 80 cm. Auf meinen Spaziergängen in der Nähe des Vondelparks sind mir die begrünten Vorgärten besonders aufgefallen und ich konnte Leute beobachten, die gerade neue Pflanzen zu ihren Häusern trugen. Es war Juni, aber sehr kühl. Trotzdem waren viele der Bewohner mit Picknickdecken in ihren Vorgärten und genossen ihre Mahlzeiten im Freien.

8,18, Hafenrundfahrt in Amsterdam, Öl auf Leinwand, 60 x 80 cm. Vor der Reise hatte ich mir auch einen Ausflug zu einem Meeresstrand vorgestellt, den wir in Wirklichkeit nicht gemacht haben, stattdessen eine Hafenrundfahrt, am zweiten Tag unseres Aufenthalts. Das Ticket hatten wir in der Nähe unseres Hotels gelöst und waren die ganze Strecke zur Fährenanlegestelle, die in der Nähe des Zentralbahnhofs ist, zu Fuß gegangen, am Gelände vom Rathaus vorbei, später ein Blick auf den Zentralbahnhof, der wie das Rijksmuseum, mit dem Backsteinrot mit Weiß kontrastiert ist, nur um eine Fensterreihe niedriger. Unsere Einstiegsstelle erreichten wir genau in der Minute der Abfahrt. Die Fähre war dicht besetzt.

8,19, Rückspiegel, Öl auf Karton und Holz, 33 x 43 cm. Ich hatte nach der Hafenrundfahrt den ganzen Tag über den Nachklang der singenden Stimme des niederländischen Reiseführers im Ohr, begleitet von der weinerlich protestierenden Stimme eines ungefähr zehnjährigen Deutschen: „Papa, in wieviel Museen müssen wir noch?“. Der Knopfdruck auf die Taste für die gewünschte Sprache und der Kopfhörer für jeden Sitzplatz macht dir Rundfahrt auf der Fähre ja wirklich zu einem Museumsbesuch.

8,20, Fast-Food Nieuwe Spiegelstraat, Öl auf Leinwand, 25 x 32 cm. Auf dem Rückweg sind wir von der Fährenanlegestelle neben dem Zentralbahnhof wieder in unsere Richtung gegangen. Schon kurz vor unserem Hotel, fanden wir in der „Nieuwe Spiegelstraat“ ein passendes Fast Food. Dort haben wir uns einen Imbiss ausgesucht. Im Freien war ein einziger kleiner Tisch, und wir konnten im Sonnenschein essen. Ich hatte mir irgendetwas mit Avocado ausgesucht, das sehr gut war, aber patzig, sodass ich meine Serviette schnell verbrauchte und mein Essen eine anstrengende Arbeit war.

8,21, Eingang zum Rijksmuseum Amsterdam, Öl auf Leinwand, 30 x 110 cm. In der Umgebung des Rijksmuseums sind alle Straßen nach den holländischen Malern des 17. Jahrhunderts benannt. Als besondere Aktion habe ich im Rijksmuseum Amsterdam ein Katalogexemplar von meinem Band 7, Farbiges Warten abgegeben. Dazu wurde mir der Weg zum Eingang der Bibliothek beschrieben, und mein Exemplar wurde dort von zwei Mitarbeiterinnen sehr freundlich angenommen. Sie haben mir ein hauseigenes Briefpapier gegeben, auf dem ich mit Datum und Unterschrift notieren sollte, dass es sich um eine Schenkung meinerseits handelte. Ich hatte erwartet, dass die Leute vom Museum mich eher belächeln würden, aber sie freuten sich und nannten mir einige Museen, in die ich auch ein Exemplar bringen könnte.

8,22, Springbrunnen. Öl auf Leinwand, 40 x 50 cm Auf dem Museumsareal gibt es einen Park mit Bänken vor einem Springbrunnen mit einem besonderen Wasserspiel, durch das die Besucher durchgehen konnten. Wenn man den Rhythmus des Wasserflusses eine Zeit lang beobachtet, kann man sich mit einiger Geschicklichkeit trocken durch dir Wasserstrahlen schlängeln. Es gab eine ganze Reihe von Besuchern, die sich um dieses Vergnügen anstellten.

8,23. Weite der Hobbemakade, Baumreihe mit Ebereschen, Öl auf Leinwand, 41 x 41 cm. Eine der umliegenden breiten Straßen des Rijksmuseums ist nach dem Maler Hobbema benannt, und ein markantes Bild von ihm ist eine klassische Allee, und der Betrachter des Gemäldes schaut durch die Baumreihen links und rechts zur Weite des Horizonts. Als möglichen Kontrast dazu sehe ich meine Baumreihe mit Ebereschen, wie sie mit ihren paar Ästen einfach nur senkrecht nach oben wachsen.

8,24, Im Überqueren der Hobbemakade, Öl auf Leinwand, 60 x80 cm. Nachdem wir die Hobbemakade überquert hatten, führte unser Weg durch eine offene kleine Parkanlage, wo es einen Trinkbrunnen neben einem Spielplatz gab, und wir haben unsere Wasserflasche nachgefüllt. Es war ja gerade Sommer, und an diesem Tag etwas wärmer als sonst und auch sonnig.

8,25, Gasse unterwegs zum Albert-Cuyp-Markt, Öl auf Karton und Holz, 30 x 42 cm. Die Gasse mit einigen Bäumen, an die ich im Malen dachte, war auf dem Weg zwischen der Singelgraacht und dem Albert-Cuyp-Markt, wahrscheinlich die Saenredamstraat, und dort war ein kleines italienisches Café, mit drei Tischen im Freien. Es war ein Montagvormittag, um die Zeit der Zustellungen, ein ständiges Heranfahren und Kurzparken von Autos, bevor sich schon wieder der nächste Lieferwagen in unser Blickfeld und ins Sonnenlicht stellte. Aber ich denke an das markante Bild des Architekturmalers Jan Pietersz Saenredam „Innenraum Nieuwe Kerk in Haarlem“, aus dem 17. Jahrhundert, auf dem winzige Menschengestalten dargestellt sind, um den überdimensional hohen Kirchenraum zu bezeugen, zwei von ihnen auf dem Boden hockend, und neben ihnen ein winziger Hund, liegend, den Kopf in aufmerksamer Haltung erhoben.

8,26, Küchenbild mit angesammelten Knöpfen, Öl auf Karton und Holz, 30 x 42 cm. Ich dachte jetzt an die Haushaltsgegenstände bei den vorderen Marktständen am Albert-Cuyp-Markt. Im ersten großen Abschnitt der langgezogenen Albert-Cuyp-Straße waren durchgehend die Marktstände für Kleidung und Haushaltsgegenstände. Die kulinarischen Stände begannen erst viel weiter hinten. Nachdem ich aus Amsterdam wieder zurück war, habe ich meine Aufklebearbeiten weitergeführt, vielleicht als eine Art Stempelpass, weil ich jetzt ein neues Reiseziel hinter mich gebracht hatte. Eine Reihe an winzig kleinen Bildern klebte ich auf größere grundierte Holzplatten und malte hinterher die Zwischenräume, so dass ein einzelnes Werkstück daraus entstand. Mein Bild mit den Knöpfen war zuerst auf einem A4-Fotokarton, den ich in ein Passepartout gelegt und auf eine Sperrholzplatte geklebt habe, um meine Malerei darauf fortzusetzen.

8,27, Portrait auf Rot mit schrägem Gesicht und Halskrause, Öl auf Karton und Holz, 30 x 42 cm. Im Zuge meiner Aufklebearbeiten habe ich ein kleineres Bildformat auf einen Passepartout-Karton geklebt und zusammen auf eine Sperrholzplatte, und das innere Bild darauf weitergemalt. Im Malen dachte ich an die Marktstände in der Albert-Cuyp- Straße. Auf einer der Nebenstraßen, die in die Albert-Cuyp Straße münden, ist an einem Gebäude ein großes Portrait von Frans Hals, das so gut im Gedächtnis bleibt, weil der Portraitierte eine weiße rüschenartige Halskrause hat. Von Albert Cuyp, nach dem ja die Straße und der Mark benannt sind, hatte ich mir als charakteristisches Bild das Portrait eingeprägt, auf dem der Maler mit der Holzpalette in seiner Hand dargestellt ist, und der weiße glatte Spitzenkragen über dem dunklen Gewand reicht von Halsansatz bis über die Schultern.

8,28, Eine Art Selbstportrait, Öl auf Karton und Holz, 30 x 42 cm. Ich hatte drei Miniaturen im Handgepäck mitgenommen, auch ein Tipp von Ruud. Fürs Erste habe ich sie auf dem Balkontisch im Hotel „Prinsen“ nebeneinandergestellt und bei Tageslicht fotografiert. Ruud hatte sich zwischendurch erkundigt, was wir schon alles unternommen hätten. Er meinte, ich könnte in Amsterdam in einem Lokal meine Bilder einfach herzeigen. Nur ist es mir nirgends so vorgekommen, dass ich das tun könnte. Jetzt im Schreiben fällt mir wohl ein, dass es beispielsweise das Café gewesen wäre, in das wir an jedem Tag einmal eingekehrt sind, aber in der Situation hat mir der Schwung dazu gefehlt.

8,29, Absperrbänder, Öl auf Karton und Holz, 30 x 42 cm. Die Abfertigung vor dem Abflug hatte wirklich die ganzen vier Stunden gedauert, die wir laut Hotelpersonal unbedingt einplanen sollten. Die Wartesituation auf dem Flughafen Schiphol war aber auch beeindruckend. Auf jedem Fleck in den riesigen Hallen sind wir eine Zeitlang gestanden, bevor es wieder ein paar Schritte weiterging. Ich sehe hauptsächlich die vielen Absperrbänder in den riesigen Hallen zwischen den wartenden Menschenmassen, die sich zwischen den Bändern zu geraden Reihen formierten.

8,30, Mein Wolkenbild, Nach dem Flug. Öl auf Leinwand, 60 x70 cm. Das lange Warten hatte auch den Vorteil, dass ich von meiner Flugangst abgelenkt war. Im Hotel hatte es zu der frühen Uhrzeit noch kein Frühstück gegeben, und ich dachte in der Folge hauptsächlich an meinen Hunger. In den Warteschlangen war keine Gelegenheit, einen Kaffee zu organisieren. Nach allen „durchlaufenen“ Stationen waren wir endlich in der Abflughalle, und dort in der Nähe gab es einen Getränkeautomaten, allerdings nur mit kohlensäurehaltigen Getränken. Die Situation mit dem Fliegen erinnert mich an Operation und Krankenhaus, und hinterher kann ich nur dankbar sein, dass alles gutgegangen ist. Sicherheitshalber mache ich keine kritischen Bemerkungen über das, was mir unangenehm auffällt. Aber jetzt, da ich wieder meinen Boden unter den Füßen habe, kann ich es sagen. Ich versinke in Selbstmitleid, wenn ich kein Frühstück bekomme, und mit der Zeit sehe ich nur noch Sterne.

8,31, Turm Weiß- Blau mit grünem Helm neben grüner Mondkuppel. Öl auf Karton und Holz, 30 x 42 cm. Das nächste Mal fahre ich mit dem Zug oder Bus nach Amsterdam, um auch die Strecke unterwegs zu sehen. Aus einem Passepartout-karton mit einem kleinen Ausschnitt baue ich ein Bild, lege eine Miniatur mit einer Kirchturmspitze ein und male auf dem Karton weiter, ein weiß-blauer Turm neben der Leiter zu einem Baustellengerüst, das zum Zeitpunkt meines Malens in meinem Blickfeld stand, und über den Turm, rechts, habe ich eine grüne runde Kuppel gemalt, die auch der Mond sein könnte. Die Turmspitze der Neogotischen Kirche am Ende der Vondelstraat in Amsterdam hat wie die von der Grazer Herz-Jesu-Kirche ausgesehen, die ich durch mein Fenster sehe.

8,32, Turm vor Vollmond, Öl auf Karton und Holz, 21 x 30 cm. Der Mittelteil des Bildes mit der grünen runden Kuppel gehört ursprünglich zur Franziskanerkirche in Graz, ebenso die Gebäude mit den schmalen hohen Rollläden als historische Ansicht von den früheren Geschäften. Ich habe das innere Bild in ein Passepartout geklebt und darauf meine gegenwärtige Malerei fortgeführt, und im nächsten Durchgang habe ich das Werk auf eine dünne Holzplatte geklebt und an den Außenkanten weitergemalt.

8,33, Café Bowmann in Amsterdam, Arbeitstitel Glasbehälter, Öl auf Karton und Holz, 30 x 42 cm. Das Café, in dem wir an jedem Tag in Amsterdam mindestens einmal waren, fällt mir aus dem Hinterher ein, wäre sogar ganz passend gewesen, dort meinen Katalog zu zeigen. Ich habe in den langen Isolationsphasen starke Hemmungen anderen Menschen gegenüber entwickelt, die ich erst langsam wieder abbauen werde.

8,34, Gasse Rot-Grün, Aufklebearbeit, Passepartout auf Holz, 30 x 40 cm. Nachdem ich dieses Bild gerade fertig gemalt und fotografiert hatte, bin ich zu „Bilderrahmen Preiner“ gegangen, wo ich lange nicht war, und die Inhaberin fragte mich, woran ich gerade male. Im Moment male ich absichtlich wenig und langsam, und ich klebe fertige Bilder auf dünne Sperrholzplatten und bemale hinterher das überstehende Holz und die Kanten. Sie fand das lustig und bot mir an, es in ihrem Geschäft auszustellen.

8,35, Fassaden in meinem Häuserblock mit Lesbar, gelb-grün, Öl auf Karton und Holz, 32 x 42 cm. Ich bin wieder bei meinen täglichen Runden um den Häuserblock, die meinem Tag eine gewisse Struktur geben, und sie führen immer wieder einmal zu einem neuen Fassadenbild, diesmal in Grün mit gelber Umrahmung auf dem Passepartout-Karton. In meiner jetzigen Wohnung stelle ich fast jedes Buch, sobald ich es gelesen habe, in die nächste Lesbar. Das nächste Regal zum Geben und Nehmen von gelesenen Büchern ist jetzt nur wenige Meter von meiner Wohnung entfernt. Inzwischen kenne ich mehrere Benützer der Lesbar, und wir tauschen uns hin und wieder über unsere Lese-Erfahrungen aus.

8,36, Fassade hinter frischer Bodenmarkierung, Öl auf Leinwand, 40 x 59 cm. Der Fortschritt der Baustellen hat einen starken Einfluss auf meinen Tagesablauf, weil es davon abhängt, ob ich meinen Parkplatz aufgebe. Ich brauche Keilrahmenleisten im Sonderformat. Die könnte ich leicht zu Fuß transportieren, aber der „Bösner“ ist weit entfernt, und die Straßenbahnfahrt dorthin dauert lange. Das habe ich vor kurzem für einen Aufspann-Auftrag gemacht und musste vom Eggenberger Gürtel zu Fuß die ganze Strecke hinter den Bahngleisen zur Alten Poststraße gehen, und auf der Rückfahrt bin ich mir mit den langen Hölzern in der Straßenbahn wie bewaffnet vorgekommen.

8,37, Via Ghega, Triest, Öl auf Leinwand, 60 x 80 cm. Nachdem wir vom Bahnhof auf der „Piazza Libertà“ mit dem kleinen Park Richtung Zentrum unterwegs waren, bogen wir von der Via Ghega in die Via Roma ab. Der Vorplatz der evangelischen Kirche mit Bänken zwischen Bäumen bot sich für die erste Pause mit unserem Gepäck an, bevor wir die Via Roma weitergingen, bis zur James-Joyce-Statue und dort nach links.

8,38, Piazza Sant’Antonio Nuovo, Ecke Via Mazzini, Öl auf Leinwand, 40 x 80 cm. Im Malen dachte ich an den Platz neben dem Hotel Centrale in Triest, von dem die Via Mazzini zur Piazza Goldoni führt, wo wir unsere Unterkunft hatten. Ich war wieder mit Gerda aus meiner Nachbarschaft unterwegs. In der Via Mazzini war das Hauptgebäude mit dem Schlüssel zu unserem Hotel. Das Schloss war mit einem Zahlendreher wie die alten Fahrradschlösser. Die Zahl hatte uns die Rezeptionistin auf einen Karton geschrieben. Das Drehen wäre zu schaffen gewesen, wenn man sich nicht selber zwischen Gang und Tür das Licht verdeckt hätte. Wir mussten noch einmal in die Via Mazzini, und die Rezeptionistin organisierte telefonisch eine Hilfe, die später die Ziffern in die richtigen Positionen drehte und aufsperrte. Vor allem legte sie uns nahe, die Zahlen ab jetzt genau in dieser Position lassen, weil es dort im Gang zu dunkel ist, um sie wieder richtig einzustellen.

8,39, Bar auf der Piazza Goldoni, Öl auf Leinwand, 38 x 64 cm. Das Café namens „Bar Venier“ hatte dieselbe Hausnummer wie unser Quartier, gehörte aber zu einem anderen Unternehmen. Den Platz vor dem großen einzigen Fenster hätte sich jeder Ankommende als seinen besten ausgesucht, er war aber jedes Mal frei, weil die Tür zum WC unmittelbar rechts angrenzte. Der Blick auf das Gebäude schräg gegenüber war das Giebelfeld mit der großen Aufschrift der Zeitung „Il Piccolo“.

8,40, Orientierungslos. Oder Vielschichtige weiße Fassade, Öl auf Leinwand, 60 x 80 cm. Der lange Fußmarsch, den Industriehafen entlang, zu einem Gebäude, das aus der Ferne wie ein ankerndes Kreuzschiff aussah, führte über die Ortstafel von Triest hinaus, damit waren wir auch außerhalb meines Stadtplans. Das seltsame Gebäude war mit einem Schranken abgesperrt, der gleichzeitig das Ende der Gehstrecke auf unserer Straße bildete. Wir drehten also um, und gingen bei nächster Gelegenheit rechts, den Hang hinauf.

8,41, Wieder innerhalb des Stadtplans, Via Pasquale Besenghi. gelb, grün. Öl auf Karton und Sperrholz, 30 x 42 cm. Nach einer kurzen Strecke zurück, war die erste Straße, die ich auf dem Stadtplan fand, die „Via Pasquale Besenghi.“ Sie geht bergauf geht, was darauf schließen lässt, dass sie wieder Richtung Altstadt führt. Einem Vater mit Sohn, der uns nach einer Schule mit einem Sportplatz fragte, konnten wir die Wegauskunft geben, dass wir ein paar Minuten davor, dieselbe Straße bergab, an Turnenden Jugendlichen auf einem großen Sportplatz vorbeigegangen waren.

8,42, Combicafé, Öl auf Leinwand und Karton, 25 x 60 cm. Auf der ersten Bergkuppe setzte der Regen ein, und ich hielt Ausschau nach einem Café, das wir im Weitergehen bald fanden, es hieß nach der Straße Via Combi „Combicafe“, mit einem beschirmten Tisch im Freien. Im kleinen Innenraum war nur eine lange Theke. Nach dem Kaffee hatte der Regen auch schon wieder aufgehört. Auf einem der schmalen steilen Wege bergab, war die nächste Pause zum Mittagessen vor einem Lokal. Von dort sind wir nach einem Stück weiter bergab wieder auf dem Corso d’Italia herausgekommen, wenige Meter vor unserer Piazza Goldoni.

8,43, Regalbrett mit Viale Miramare, bunt, Öl auf Holz, 9 x 80 cm. Für die erste der drei Häuserreihen auf ehemaligen Regalbrettern aus Holz, habe ich erdige Farbtöne verwendet, mit der Vorstellung, ich würde das nächste Mal die Strecke vom Bahnhof zum ersten Meereszugang zu Fuß gehen. An dem Tag nach der weiten Vormittagsrunde, wollte ich nach der Pause im Hotel unbedingt auch zur Viale Miramare, an die ich ja immer zuallererst denke, wenn ich an Triest denke. Den Weg nach dem Frühstück in die andere Richtung hatte aber Gerda bestimmt und war nicht davon abzubringen gewesen. Jetzt am Nachmittag wollten wir bis zum Bahnhof zu Fuß gehen und dort in einem Bus einsteigen, sind dann aber doch wieder alles zu Fuß gegangen.

8,44, Viale auf Regalbrett, Orange, Öl auf Holz, 9 x 80 cm. Für die zweite Variante meiner aktuellen „Viale Miramare“ habe ich die Farben unter dem Eindruck eines vorangegangen gelungenen Auftrags zu einer Häuserzeile in Orange und Rottönen diese leuchtenden Farben verwendet. Ich kannte diese Strecke bis dahin nur mit Auto und hatte die Länge unterschätzt. Wir waren gute zwei Stunden unterwegs, bevor wir an „meinem“ Strand ankamen. Auch wenn es inzwischen später Nachmittag war, zog ich mich sofort auf Badebekleidung um und legte mich auf mein Badetuch. Seltsamerweise setzte Gerda sich nur auf eine Steinbank und blieb angezogen. Sie sagte, es wäre ihr zu heiß, und der Strand war auch nicht nach ihrem Geschmack. Ich bemühte mich, mir davon nicht die Stimmung verderben zu lassen und blieb, so lange wie möglich, in meiner Liegeposition in der Sonne.

8,45, Viale Miramare, Rückweg, Öl auf Holz, 9 x 80 cm. Für den Rückweg ins Hotel entschieden wir uns, den Bus zu nehmen. Wir kamen mit dem Ticket-Automaten an der Haltestelle nicht zurecht, stiegen trotzdem in den nächsten Bus. Offenbar fährt in jedem Bus automatisch ein Kontrollor mit, und wir mussten bei der nächsten Station wieder aussteigen. Jetzt mit Ticket, stiegen wir in den darauffolgenden Bus, in dem erstaunlicherweise wieder der Kontrollor von vorhin war, und er schaute jetzt zufrieden auf unsere Tickets.

8,46, Bustour durch Triest, Öl auf Leinwand, 62 x 70 cm. Unsere „Bar Venier“ auf der Piazza Goldoni war mit einer Trafik verbunden, in der es Bustickets gab. Wir kauften uns für heute je eine Tageskarte und erkundeten verschiedene Gegenden auf Busfahrten, meistens bis zur Endstation, um dort herumzugehen und wieder einen nächsten Bus zu nehmen. Derselbe fleißige Kontrollor vom Vortag ist uns mehrmals begegnet, aber den unaufgefordert entgegenstreckten Fahrschein beachtete es nicht.

8,47, Piazza Venezia, Via Torino, Öl auf Leinwand, 40 x 80 cm. Während der Mittagspause im Hotel, sah ich ein frisch gepostetes Foto von dem Gebäude Sant’Antonio Nuovo, das mein Bruder Otto und seine Gefährtin Dani ins Netz gestellt hatten. Ich habe kommentiert, dass ich auch gerade in Triest bin, und sie haben mir als Treffpunkt eine Pizzeria in der Via Torino genannt.

8,48, Riva Tre Novembre, Öl auf Leinwand, 20 x 114 cm. Von der Piazza Goldoni gingen wir zuerst wieder zum Meer und den Promenaden-Abschnitt „Via Tre Novembre“ nach links, bis zur Höhe der Piazza Venezia und dort wieder nach Links. Nach wenigen Schritten waren wir in der Via Torino, wo Otto und Dani schon vor ihrer Pizzeria saßen. Wir tauschten uns über die bisher gesehenen Plätze aus. Nach dem Kaffee waren sie schon wieder unterwegs, um die Gartenanlagen vom Schloss Miramare anzuschauen, bevor sie sich auf den Heimweg machten.

8,49, Bänke in der Via San Nicolo, Öl auf Holz, Karton und wieder Holz, 22 x 32 cm. Wieder an der Riva Tre Novembre schauten wir lange von unserem Platz auf einer Steinbank auf das Meer, bevor wir die Position änderten. In der nächsten Straße, eine breite Flaniermeile mit einem Straßenbelag auf Hochglanz, gab es mehrere Lokale, aber auch einige öffentliche Bänke und ein Lebensmittelgeschäft. Wir kauften Wasser und Obst setzten uns auf eine Bank und beobachteten die Menschen.

8,50, Caffè Stella Polare, Hafenpromenade, Abschnitt „Riva Tre Novembre“, Öl auf Leinwand, 50 x 60 cm. Vor dem Caffè Stella di Polare habe ich Kaffee und Apfelstrudel bestellt. Die Bedienung hat mich beim Blick auf meine Jacke über der Sessellehne vor den Möwen gewarnt. Damit passiere ihren Gästen oft ein Missgeschick. Ohne diese vorangegangene Warnung hätte ich es im Weggehen nicht als Glücksfall wahrgenommen, dass meine Jacke sauber geblieben ist. hätte.

8,51, Piazza Libertà, Rückfahrt. Öl auf Leinwand, 37 x 38 cm. [gelb-grün, 2023] Wie beim Ankommen auf dem Bahnhof auf der Piazza Libertà, saßen auch jetzt einige müde Gestalten auf den Bänken im gegenüberliegenden spärlich bewachsenen Park. Nur ein Einzelner lag mit seinem Gepäck neben einer Bank. Aus einem anhaltenden Polizeifahrzeug sind zwei Polizisten ausgestiegen, die den friedlich schlafenden Mann weckten. Er musste aufstehen und seinen Platz verlassen. Jetzt war dort gar nichts Spannendes mehr anzuschauen.

8,52, Noch immer auf der Piazza Libertà, Hellblau, gerade, Öl auf Leinwand, 18 x 28 cm. Die angekündigte Verspätungszeit des Busses war über SMS zweimal verlängert worden, jetzt von 120 auf 180 Minuten. Auf der Stufe vor dem Bahnhofsgebäude sitzend, habe ich die Striche der geraden Abschlüsse der Gebäude gegenüber und neben dem kleinen Park auf einen Block gezeichnet und später über diese Wartezeit ein Bild gemalt.

8,53, Steinbänke zwischen Oleanderbüschen, Weiß-Rot-Grün abstrakt, Öl auf Leinwand, 50 x 60 cm. Nachdem ich aus Triest wieder zurück war, habe ich an einem Bild weitergemalt, das ich als Landschaft begonnen hatte, jetzt aber dachte ich an die Möwen in Triest, die dicht vor mir stehend auf Essensreste gewartet hatten, während ich auf der Steinbank saß und meinen Lunch verzehrte. Als Lektüre hatte ich mir von der Buchhandlung „Giunti al Punto“ „L‘Arte di Correre“ von Haruki Murakami gekauft. In dem Buch schreibt der Autor über seine Teilnahmen an Marathonläufen in unterschiedlichen Städten, und ich habe es sehr gerne gelesen. In derselben Buchhandlung habe ich „Gente di Dublino“ von James Joyce gekauft, eine zweisprachige Ausgabe auf Italienisch und auf Englisch.

8,54, Die Möwen warten auf Essen, Öl auf Holz, 29 x 39 cm: An jedem der Tage waren wir am Vormittag an der „Riva Tre Novembre“ bei den Molen, wo wir von einer der Steinbänke zwischen den Oleanderbüschen lange Zeit nur auf das Meer hinausschauten. Es war angenehm warm, aber nicht heiß. Die Möwen sind so nahe an uns herangekommen, als wären sie zahme Haushühner. Sie hatten einfach Hunger, wie auch wir jetzt, und wir holten vom „Despar“ Rosmarinkartoffeln und gebackene Zucchini. Wir waren nicht die einzigen, die ihren Lunch auf einer Bank mit Blick aufs Meer zu sich genommen haben, vielleicht Leute in ihren Pausen von der Arbeit. Neben jedem warten Möwen, ob etwas herunterfällt.

8,55, Stumme Begegnungen bei Krokusblüte, Öl auf Leinwand, 60 x 60 cm. Mit dem Blick auf meine weiß-bunten Abstraktionen, erteilte mir eine Atelier-Besucherin den Auftrag, ein ähnliches Bild für sie zu malen, auf dem die Kontrastfarbe zu Weiß hauptsächlich Rot sein sollte. Im Malen verwende ich aber fast automatisch Blau als Kontrast zu Weiß, so dass ich diesmal meine blauen Anteile im Nachhinein mit Rottönen übermalt habe. Als Kontrastfarbe habe ich Grün gewählt, analog zu den Blättern der Krokusse, die zum Zeitpunkt meines Malens gerade im Sprießen waren. Im gleichen Arbeitsdurchgang habe ich an einem zweiten Bild im selben Format in Weiß mit Blau Kontrasten gemalt, um es für mich in meinem Repertoire zu behalten. Die Auftraggeberin hat sich dann umgekehrt entschieden, sodass das Bild mit den Rottönen noch bei mir ist.

8,56, Fassade mit Kletterpflanzen, weiß-grün, Öl auf Leinwand, 60 x 80 cm. An der Fassade des Hauses, das meinem Fenster gegenüber liegt, gibt es eine immergrüne Hecke, die dieses Gebäude zu einem besonders herausragenden macht. Ein Jahr nach meinem Einzug war diese Hecke wegen Dacharbeiten entfernt worden. Ich habe dieser Hecke richtig nachgetrauert. Aber zwei Jahre später war das Dach wieder fertig, und die einzelnen Reben kletterten wieder senkrecht die Fassade hoch. Man konnte dem Wachsen fast zusehen, und am Ende des ersten Sommers war das Blattwerk wieder zu einem Ganzen verbunden.

8,57, Fortschritt der Baustellen, weiß-blau, Öl auf Karton und Sperrholz, 30 x 40 cm. Auf meinen täglichen Runden innerhalb von Graz, beobachte ich den Fortschritt der Baustellen unterwegs, und ich freue mich, wenn wieder eine davon fertig ist und alles im Umfeld wieder einen aufgeräumten Eindruck verbreitet.

8,58, Weg ins Stadtzentrum am Freitag, blau-grün, Öl auf Leinwand, 50 x 70 cm. Im Sommer 2024 habe ich als Vorspann zu einem Auftrag drei Bilder hintereinander mit dem Burgtor gemalt. Meine Wege ins Stadtzentrum unterscheiden sich je nach Wochentag. An Freitagen gehe ich meist ganz zielgerichtet durch das Burgtor, um auf dem Glockenspielplatz beim Kaspar-Harnisch ein bestimmtes Arbeitsmaterial zu kaufen.

8,59, Weg ins Stadtzentrum am Samstag, Öl auf Leinwand, 50 x 70 cm. Wenn ich an Samstagen durch das Burgtor in die Innenstadt gehe, ist mein Weg kombiniert aus einer Besorgung und einer Kaffeepause, bei passendem Wetter im Freien.

8,60, Weg ins Stadtzentrum am Sonntag, Blau-Grün, Öl auf Leinwand, 50 x 70 cm. An Sonntagen gehe ich durch das Burgtor zum Karmeliterplatz und von dort auf den Schlossberg. Meine Pause besteht normalerweise darin, die Dächer von Graz zu betrachten.

8,61, Frische Fassade, Öl auf Karton und Sperrholz, 20 x30 cm







